Projekt OpenFlair

Ende Dezember 2013 bekam unser Büro die Anfrage, ob es möglich wäre, einen Plan des Geländes, auf dem das jährliche des Open Flair Festival stattfindet, zu erstellen. Wie sich schnell herausstellte, entsprachen die bereits vorhanden Pläne und Daten nicht den Anforderungen, die der Auftraggeber stellte. Er beabsichtigte im Rahmen seiner Masterarbeit eine Besucherstromanalyse für das Open Flair Festival zu entwickeln, dafür brauchte er aktuelles und vollständiges Kartenmaterial. Nach einigen E-Mails und Überlegungen, einigte man sich, ergänzende Vermessungsarbeiten durchzuführen, um die Karten den Wünschen des Kunden anzupassen. Da es auf Zeit nicht so sehr ankam und um den Kostenaufwand für den damaligen Studenten möglichst gering zu halten, entschloss sich unser Vermessungsbüro, uns drei Auszubildende dieses Projekt, natürlich mit Hilfe, allein durchführen zu lassen.

Nach dem wohlverdienten Urlaub über die Feiertage konnten wir im Januar loslegen. Ein paar Telefonate und E-Mails brauchte es, bis wir uns sicher waren, was genau nun alles auf die Karte gehörte. Neben den schon vorhandenen Gebäuden, Straßen, Grenzen und der Werra, sollten wir nun alle Bäume, Büsche, Poller, Schaltkästen, Erhebungen, Straßenlaternen und so weiter erfassen und in die Karte einarbeiten. Mit der bereits gesammelten Erfahrung und dem Wissen, was zu tun ist, machten wir uns nun an die Arbeit.

Die praktische Arbeit in der Örtlichkeit gestaltete sich zunächst etwas schwierig. Aufgrund der Jahreszeit bedeckte Schnee die Fläche, was uns eine Aufnahme des Straßenbelags unmöglich machte. Zudem existierten nicht ausreichend Festpunkte, um uns mit dem Tachymeter zu stationieren. Dem Wetter trotzend, legten wir uns unsere eigenen Festpunkte, strategisch günstig über das ganze Gelände verteilt. Deren Koordinaten konnten wir jetzt mit unserem GPS-Empfänger und mit Hilfe der Korrekturdaten auf 3 cm genau bestimmen. Somit stand einer Aufnahme von Strecken und Winkeln mit unserem Tachymeter nichts mehr im Wege. Mit einsetzendem Tauwetter konnten wir mit der Aufnahme beginnen. Einer am Instrument, einer am Prisma, und der Truppführer skizzierte alles in das Feldbuch. Nach jedem Standpunkt wechselten wir die Rollen, damit jeder mal alles machen durfte. Nachdem wir einige Tage auf dem Werdchen verbracht hatten, war alles aufgenommen und eine Flut an Messwerten musste nun verarbeitet werden. Gemeinsam vor dem Computer, lasen wir Messergebnisse ein und, wie erwartet, wurden aus den vielen Strecken und Winkeln nun viele, viele Punkte auf dem Bildschirm. Anhand unserer Feldbücher mussten wir nun die Punkte definieren. Da wir die Feldbücher vielleicht doch nicht so sorgfältig und sauber geführt hatten, wie es die Aufgabe verlangt hätte, hatten wir es uns nun selber etwas schwer gemacht. Nach einigen Stunden und guter Teamleistung, hatten wir es doch geschafft und den Punkten ihre natürliche Funktion zugewiesen. Ein Baum war jetzt ein Baum und eine Asphaltkante eine Asphaltkante, die zusammen mit anderen Asphaltkanten, über Linien verbunden, eine Straße ergab. Nun mussten wir die entstandenen Flächen noch farblich gestalten und schon erhielten wir aus einem Liegenschaftsplan und unserer eigener Arbeit einen vorzeigbaren Plan und aussagekräftige Geodaten, die zur Berechnung einer Besucherstromanalyse taugten.

Mittlerweile war es Februar und wir trafen zum ersten Mal persönlich mit dem Auftraggeber zusammen. Er war ziemlich überrascht, wie sich der Plan gegenüber vorher verändert hatte. Wie bei so etwas üblich, fehlten noch Kleinigkeiten, die wir in Nachmessungen aber schnell hinzufügen konnten. Nun kam das nächste Problem auf uns zu. Leider konnte sein Programm nicht mit unserem Format arbeiten. Hierbei brauchten wir nun endgültig Hilfe von den erfahreneren Mitarbeitern aus unserem Büro. Nach einigen Versuchen klappte es dann und wir hatten unsere Daten so umgewandelt, dass sein Programm damit arbeiten konnte.

Dieses Projekt war unser erstes eigenständiges. Von der Planung bis zur Auslieferung haben wir fast alles selber gemacht. Der Lerneffekt war sehr groß; wir mussten Kundenwünsche interpretieren, mit dem Tachymeter sachgemäß umgehen, Feldbücher anfertigen oder die Tücken eines Computerprogramms überwinden sowie das Problem uneinheitlicher Schnittstellen lösen. Letztendlich haben wir durch gute Zusammenarbeit und auch ein wenig Hilfe von außen diese Aufgabe gemeistert und neben dem üblichen Lehralltag ein wenig mehr Spaß gehabt.

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